Der Name „Mandarine“ ist nicht eindeutig, was die bezeichnete Pflanze anlangt, denn was uns im Supermarktregal unter dieser Bezeichnung begegnet, kann recht unterschiedlichen Ursprungs sein. In jedem Fall handelt es sich um eine Hybride. Das wäre für Zitruspflanzen nicht ungewöhnlich, denn praktisch alle Früchte, die wir kennen, stammen von Kreuzungen, aber echte Mandarinen (Citrus reticulata) würden zu den drei ursprünglichen Arten gehören und wären gemeinsam mit Pampelmusen (Citrus maxima) und Zedraten (Citrus medica) eigentlich die Eltern, aus denen -in unterschiedlicher Konstellation- Orangen, Zitronen oder Grapefruits hervorgegangen sind. Die Urmandarine, auf die das zutrifft, hätte allerdings, aufgrund ihrer Säure, keine Karriere als Delikatesse gemacht. Jene Frucht, die schon vor tausenden Jahren vom chinesischen Kaiserhaus geschätzt wurde, war eine Kreuzung der Urmandarine mit der Pampelmuse. So wie die Orange (Citrus × sinensis) übrigens auch. Sie ist mutmaßlich ohne menschliches Zutun entstanden und hat eine beispiellose Karriere im Alten China gemacht. Neben dieser Jahrtausende alten Kreuzung, ist in jüngerer Zeit eine kaum überschaubare Zahl neuerer Sorten entstanden.
Mandarine (Citrus reticulata)
Unter dem taxonomischen Begriff Citrus reticulata sind Mandarinenhybriden zusammengefasst, die nur geringe Anteile von Pampelmusen-Genen enthalten. Darunter die Cleopatra Mandarine, Sunki, Tangarinen (Citrus×tangarina), und die Mittelmeer-Mandarine (Citrus×deliciosa) mit ihrem typischen Schalenaroma. Allen „Boomern“ aus den Krampussackerln in Erinnerung. Wegen ihrer zahlreichen Kerne ist diese, auch als weidenblättrige Mandarine bezeichnete Sorte, aus den Obstregalen verschwunden, und durch die oft kernlose Satsuma, sowie verschiedene Hybriden ersetzt worden.
Satsuma (Citrus × unshiu)
Bezeichnet eine Klasse von Mandarinen, deren Herkunft bis ins Japan des frühen 15. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann, wahrscheinlich ist sie der Sämling einer chinesischen Mandarine. Man nimmt an, dass „Unshu-mikan“ ein Zufallssämling ist, der während der Tang-Dynastie entdeckt wurde und dessen Samen dann nach Japan gebracht worden sind.
In Wikipedia liest man:
Nach dem Tanaka-Klassifikationssystem wird Citrus × unshiu als eine von der Mandarine getrennte Art betrachtet. Nach dem Swingle-System gelten Unshius als eine Gruppe von Mandarinensorten. Genetische Analysen haben gezeigt, dass es sich bei der Satsuma um eine stark ingezüchtete Mandarinen-Pampelmusen-Hybride handelt, wobei 22 % ihres Genoms, ein größerer Anteil als bei den meisten Mandarinen, von Pampelmuse stammen. Sie entstand, indem eine Mandarine der Sorte Huanglingmiao oder Kishumikan (Citrus reticulata) mit einer Pomelo oder Pomelo-Hybride gekreuzt wurde, dann wurde die resultierende Sorte mit einer anderen Huanglingmiao- oder Kishumikan-Mandarine rückgekreuzt.
In Japan wird die Satsuma-Mandarine schon lange kultiviert und geschätzt. Durch Anna Van Valkenburgh, die Ehefrau des US-Botschafters in Japan, kam sie Ende der 1870er Jahre nach Kalifornien. Satsumas sind meist kernlos und brauchen nicht lange zum Reifen, was sie auch für gemäßigte Breiten mit kurzer Saison attraktiv macht. Die japanische Bezeichnung „wase“ bedeutet „früh“. Satsumas sind somit die ersten Mandarinen im Handel, aber besonders interessant werden sie durch ihre hohe Kältetoleranz. Einige Sorten überstehen für kurze Zeit Frost bis zu -12° und sogar weniger.
Mittelmeermandarine (Citrus × deliciosa)
Ist eine Mandarinenhybride mit geringem Pampelmusen (Citrus maxima)-Anteil (6%), die erst im frühen 19. Jahrhundert nach Europa gekommen ist. Sie war im Mittelmeerraum sehr verbreitet und -zumindest für mich- der Inbegriff Siziliens. Es gibt eine Reihe von Sorte: „Willowleaf“ aus den USA verweist auf ein typisches Merkmal der Mittelmeermandarine: die schmalen Blätter. Es gibt eine Reihe von Hybriden mit Citrus × deliciosa. Amoa 8 halte ich in meiner Sammlung. Es handelt sich um eine Kreuzung der Sorte „Avana“ mit der Moro-Blutorange.
Clementinen (Citrus × deliciosa × Citrus × sinensis)
Clementinen aus neuer Ernte tauchen oft schon im November in den Regalen der Supermärkte auf. Besonders auffällig als „Blattclementinen“, wenn sie mit kurzen Ästchen und Blattwerk geerntet worden sind und auch so verkauft werden. Diese Mandarinenhybriden gibt es noch gar nicht so lange. Sie wurde vom Trappistenmönch Frère Clément (1839 – 1904), der in der Nähe von Oran/Algerien den Gartenbaubetrieb des dortigen Waisenhauses geführt hat, entdeckt und auch erstmals beschrieben. Dass sie in Nordafrika auch entstanden ist, kann allerdings bezweifelt werden. Der Fachbuchautor James Saunt (Citrus Varieties of the World)
schreibt: „Some authorities believe it is virtually identical to the variety known as the Canton mandarin widely grown in Guangxi and Guangdong Provinces in China“. Jedenfalls handelt es sich bei der Clementine um eine Kreuzung von Citrus x deliciosa und Citrus x sinensis, also Mittelmeer-Mandarine und Orange.
Zur taxonomischen Einordnung ist bei Wikipedia zu lesen: „Als wissenschaftliche Benennung findet man häufig Citrus clementina oder Citrus reticulata ‚Clementine‘. Da es sich aber um eine Kreuzung handelt, die letztlich auf die Arten Mandarine und (über den Zwischenschritt Orange) Pampelmuse zurückgeht,[4] sollte sie Citrus × aurantium Clementinen-Gruppe benannt werden.“ Ein schönes Beispiel für die Auffassungsunterschiede zwischen den Taxonomen Tanaka und Mabberley. (mehr dazu im Taxonomie-Kapitel)
Von den Clementinen gibt es verschiedene Sorten. Ich pflege die „Clemenules“. Die für mich interessanteste Eigenschaft der Clementine ist ihre Kältetolereanz.
Dekopon (Citrus × reticulata ‚Shiranui‘)


Ist eine Mandarinenkreuzung aus der japanischen Präfektur Kumamoto. Sie wurde 1972 kreiert und unter dem Markennamen „Dekopon“ vorgestellt. Es handelt sich um eine Hybride zwischen Kiyomi (Satsuma Miyagawa wase x Orange)und Ponkan (C. poonensis), einer Mandarinen – Pampelmusen (C. maxima) – Kreuzung. Dekopon bezeichnet streng genommen die Früchte. Die Mandarinen-Sorte ‚Shiranui‘ (oder ‚Shiranuhi‘) ist ziemlich frostresistent (-10°C werden meist angegeben) und liefert sehr gute, relativ früh reife und kernlose Früchte.