Mangelerscheinungen


Nichts an der Pflege von Zitruspflanzen ist simpel. So lange alles gut läuft und die Bäumchen wachsen, ist natürlich alles fein, aber früher oder später zeigen sich Signale, dass doch nicht alles in Ordnung ist. Die Zeichen an den Blättern richtig deuten zu können, ist dann entscheidend, wenn man dauerhafte Schäden an der betroffenen Pflanze vermeiden will.
Oft liest man von „Mangel“ und denkt: Okay, wenn X fehlt, dann geb ich meiner Pflanze halt X. Die eigentliche Ursache des Problems bleibt aber im Verborgenen. Meist tritt die Mangelerscheinung nicht deshalb auf, weil ein Makro- oder Mikronährstoff im Substrat oder Wasser vollkommen fehlt, das Problem liegt viel öfter bei den Wurzeln der Pflanze, beziehungsweise an der chemischen Situation, in der sich das Wurzelwerk befindet. Bekanntlich mögen Zitrusbäume ein leicht saures Substrat im Bereich von PH 5,5 bis 6,5. Das sind die idealen Arbeitsbedingungen für Zitruswurzeln und alles, was an Nährtoffen da ist, kann dann aufgenommen werden. Höhere oder niedrigere PH-Werte, also ein zu saurer bzw. zu basischer Boden- behindern, mit zunehmender Abweichung vom Idealbereich, die Aufnahme von Mikro- und Makronährstoffen. Relativ rasch sichtbar wird die mangelhafte Versorgung mit Stickstoff, Magnesium und Eisen. Das heller Werden der Blätter in diesen Fällen nennt man Chlorose.

Stickstoffmangel

Stickstoffmangel zeigt sich durch das Vergilben älterer Blätter. Dabei werden die Stickstoffreserven in Richtung junger Austrieb mobilisiert auf Kosten älterer Blätter. Abhilfe schafft ein stickstoffreicher Dünger. Vorbeugen lässt sich durch eine Stickstoffquelle im Substrat, wie Hornspäne, Wollpellets oder ein sonstiger, pelletierter Biodünger.

Magnesiummangel

zeigt sich an älteren Blättern, die vom Rand her heller werden, in der Mitte aber tief grün bleiben (mittleres Bild). Magnesium wird aus den alten Blättern zum jungen Austrieb hin verlagert, ist also in der Pflanze mobil. Dem Mangel kann man mit Bittersalz (Epson Salt) abhelfen. Gibt es in jedem Baumarkt.

Eisenmangel

unterscheidet sich vom Magnesiummangel am sichersten durch die betroffene Region: Eisenmangel zeigt sich am jungen Austrieb. Das Blatt wird hell gelbgrün, die Adern bleiben aber (lange) satt dunkelgrün. Ein schönes Beispiel sieht man am Bild oben, rechts. Eine Symptombekämpfung gelingt mit Eisenchelat-Präparaten. Das Problem grundsätzlich zu beseitigen ist eher nicht einfach. Dazu muss man in die Bodenchemie eingreifen, was eine langwierige Sache ist.

Manganmangel

Als weiteres Element, das auch an der Bildung des Blattgrüns beteiligt ist, wäre Mangan zu nennen. Manganmangel ist am schwierigsten zuzuordnen. Wieder sind die Blätter zwischen den Adern aufgehellt, aber diesmal entsteht eine Art Marmorierung.

Übrigens können Mangelerscheinungen auch auf ein Düngeproblem hinweisen. Viele mineralische Dünger -auch solche, die als „Zitrusdünger“ verkauft werden, enthalten im Verhältnis zu den anderern Makronährstoffen zu viel Phosphor, was zu einem Problem bei der Eisen-Aufnahme führen kann. Sehr oft ist die Situation aber komplexer und hat mit den Wurzeln selbst zu tun. Passt das chemische Milieu nicht, ist zu wenig Sauerstoff im Substrat vorhanden, mangelt es an der allgemeinen Wurzelgesundheit oder ist es zu kühl für Wurzelaktivitäten, so wird sich das als Mangelerscheinung am Blatt zeigen.

Deshalb wird man auf der Suche nach den Ursachen eines Mangels, zuerst den Zustand der Wurzeln untersuchen. Erst wenn sich die kräftig und gesund zeigen, kann man über die Zufuhr zusätzlicher Nährstoffe nachdenken. Kranke Wurzeln können mit Dünger ohnehin nichts anfangen und nehmen eher zusätzlich Schaden, wenn gedüngt wird.

Was sonst noch fehlen kann

Neben den bei Weitem häufigsten Problemen mit Chlorosen gibt es seltener weitere Mangelerscheinungen am Zitrusblatt.

Zink

Zinkmangel zeigt sich ebenfalls durch Vergilbung und ist nicht leicht von den oben beschriebenen Chlorosen zu unterscheiden.

Bor

Der Mangel zeigt sich als Deformation an den Früchten und am Blatt durch hervortretende, verkorkte oder schwärzlich eingefärbte Blattadern. Tückisch am Bor ist, dass man leicht überdosieren kann, was dann wieder zu charakteristischen Blattschäden führt.

Auch Kaliummangel kann man am Blatt erkennen. Zu beobachten sind Aufhellungen vom Rand her und bei starkem Mangel Nekrosen des Blattrandes.

Manchmal hat Laub auch einfach das Ende seiner Zeit erreicht, wie das Blatt auf dem Bild unten. Die Pflanze entzieht ihm die Nährstoffe und wirft es dann ab. Vor allem Blätter, aus deren Achselknospen neue Triebe entstanden sind, werden auf diese Weise nach einer Weile abgestoßen.

Allgemeine Ernährungsfragen

Mineralische Dünger für Zitruspflanzen sollten ein NPK-Verhältnis von 4:1:3 aufweisen. Die meisten Blumendünger enthalten zu viel Phosphor (P). Es passen eher Gründünger, die für Rasen bestimmt sind. So ein klassischer Mineraldünger mit fast idealem NPK-Verhältnis ist Hakaphos „Grün“.

Der Nährstoffbedarf der Pflanzen ändert sich über den Jahreslauf. Im Frühling mit beginnendem Austrieb ist der Stickstoff (N) -Bedarf am höchsten, in der Hauptsaison werden dann alle Nährstoffe benötigt, und ab Sommerende gibt man Kalium (Patentkali) und stellt die weitere Düngung ein. Vor allem für Pflanzungen im Freiland halte ich die Kaligabe im Spätsommer/Frühherbst für wichtig, um eine möglichst gute Holzreife zu erreichen.

Die „Bio“-Lösung

Die natürliche Ernährung von Kulturpflanzen setzt auf ein Organ, das beim mineralisch Düngen weitgehend umgangen wird: auf den Boden. Ich sage Organ, weil Pflanzen über keine eigene Verdauung verfügen, der Boden und sein Mikrobiom übernehmen diese Funktion. Zitruswurzeln gehen eine Symbiose mit Endomykorrhiza ein, also Bodenpilzen, die in die Wurzel selbst eindringen und dort wirken. Sie bilden in der Wurzel Arbuskeln, also feine Ästchen, die an Baumkronen erinnern. Daher auch die Bezeichnung arbuskuläre Endomykorrhiza. Die Pilzfäden sorgen für die Nährstoff-und Wasserversorgung und werden dafür von der Pflanze mit Kohlehydraten belohnt. Durch mineralische Düngung wird dieses harmonische Verhältnis gestört. Die Wurzel braucht ihre Mykorrhiza nicht mehr und lässt sie verkümmen.

Deshalb halte ich nichts von der Düngung mit Mineralsalzen. Das mag praktisch sein, aber natürlich ist es nicht und für einen Bio-Gärtner ohnehin ein No-Go. Ich decke den Frühlings-Stickstoffbedarf mit Flüssigdünger und übers Jahr gibt es einen biologischen Langzeitdünger, Pflanzenjauche und im Spätsommer eine Gabe Patentkali. Dazu werden die Töpfe mit gut abgelagertem, getrockneten Pferdemist und mit getrocknetem Tee-Trester gemulcht.

Rezept für Pflanzenjauche

1Kg frische Brennnesseln (vor der Blüte geerntet) zerkleinern und mit 10 Litern Regenwasser mischen. Die Brennnesseln lassen sich ganz oder teilweise durch Giersch ersetzen. Man kann dem Ansatz ein wenig Germ (Hefe) zugeben, nötig ist das aber nicht. Hefen sind überall und die Brennnesselmaische wird schnell zur Gärung kommen. Eine Hand voll Gesteinsmehl soll angeblich die Geruchsentwicklung hemmen. Gelegentlich umrühren. Sobald die Jauche nicht mehr schäumt, ist die Fermentation abgeschlossen. Dann kann sie abgeseiht und 1:10 verdünnt im Freiland ausgebracht werden. Töpfe gieße ich mit der halben Konzentration. Die Jauche wirkt übrigens sauer, PH 5,5.