Taxa; von altgriechisch τάξις „Ordnung“ oder auch „Rang“.
Lebewesen-Domäne-Reich-Stamm-Klasse-Ordnung-Familie-Gattung-Art
Die Taxonomie ordnet Lebewesen und Viren, in unserem Fall Pflanzen, in ein hierarchisches System ein. Im einzelnen Taxon werden Pflanzen mit jenen gemeinsamen Eigenschaften zusammengefasst, die geeignet sind, sie von allen anderen Pflanzen unterscheiden. In den übergeordneten Rängen der Taxonomie ist der Aussagewert einer solchen Zuordnung noch gering, deshalb werden Domäne, Reich, Klasse und auch Ordnung meist nicht angegeben. Zitruspflanzen gehören -einmal sag ich’s- zur Ordnung der Seifenbaumartigen (Sapindales). Wirklich interessant sind Familie, Gattung und Art, also das, was die etwas näheren Verwandtschaftsverhältnisse betrifft. Über Zitruspflanzen kann man sinnvollerweise sagen, dass sie zu den Rautengewächsen (Rutaceae) gezählt werden, und damit zur gleichen Familie wie der heimische Diptam (Dictamnus albus), oder die Weinraute (Ruta graveolens) gehören. Die Familie der Rautengewächse umfasst „150 – 183 Gattungen“ und „1200 – 1900 Arten“, verzeichnet Wikipedia. Das Terrain ist offensichtlich unsicher und scheinbare Ungenauigkeiten verweisen bereits auf die besonderen Herausforderungen, die bei der systematischen Erfassung von Zitrusgewächsen auf Taxonomen lauern.
Unter der Familie der Rautengewächse wurde die Subfamilie der Aurantioideae eingeführt, die die Stämme (Tribus) Aurantieae und Clauseneae zusammenfasst. Der Tribus Aurantieae hat wieder drei Unterstämme zugeordnet: Balsamocitrinae, Citrinae, Merrilliinae. Der Subtribus, der uns besonders interessiert, heißt Citrinae. Unter ihm werden die Genera, oder Gattungen Atalantia, Burkillanthus, Citropsis, Citrus, Clymena, Limonia, Luvunga, Merope, Monanthocitrus, Naringi, Pamburus, Paramignya, Pleiospermium, Severinia, Swinglea, Triphasia, Wenzelia zusammengefasst.
And here we are: Der Genus Citrus. Jetzt sind nur noch die zugeordneten Arten aufzulisten und wir sind fertig! Leider nein, denn hier beginnen erst die Diskussionen: Bereits die oben aus Wikipedia zitierte Aufzählung der Gattungen, die den Subgenus Citrinae bilden, ist unter Taxonomen strittig. Es ist die „moderne“ Liste, in der die Genera Fortunella, Poncirus, Eremocitrus, Microcitrus usw. nicht mehr zu finden sind, weil genetische Untersuchungen gezeigt haben, dass es nicht sinnvoll ist, die genannten als eigene Gattungen von Citrus abzutrennen. Damit sind nach wie vor nicht alle einverstanden.
Citrus und seine Taxonomen
Carl v. Linné
Die binäre Nomenklatur geht auf Carl v. Linné zurück. Sie ist seit dem 1. Mai 1753 allgemein gültig. Das System scheint auf den ersten Blick einfach: Der erste Name bezeichnet die Gattung und der zweite, das so genannte Epitheton, soll die Art bezeichnen. Bei den Zitruspflanzen ist man hier schon mitten im Problem-Dickicht, denn in vielen Fällen bezeichnet das Epitheton, besonders in der Taxonomie, die auf den japanischen Botaniker Tyozaburo (Chōzaburō) Tanaka zurückgeht, eher Sorten (Kultivare) denn Arten.
Walter Tennyson Swingle
Die nach wie vor gültige Zitrus-Taxonomie hat in wesentlichen Teilen der US-Amerikaner Walter Tennyson Swingle (1871 – 1952) erstellt. Er arbeitete beim USDA und hat sich Ende des 19.Jhds mit der Kreuzung von Tangelo-Sorten, der Minneola und Kumquat-Hybriden beschäftigt. Über sein botanisches Autorenkürzel [SWINGLE] stolpert man praktisch immer, wenn es um Zitrus-Namen geht. Er hat übrigens auch in Deutschland, Bonn und Leipzig, studiert und in Neapel über Feigen geforscht.
Swingle hat den Subtribus „Citrinae“ in drei Gruppen geteilt: In „primitive Zitruspflanzen“, „nahe Zitrusverwandte“ (mit Arten wie Atalantia) und „echte Zitruspflanzen“, die man schon früher in der Gattung Citrus zusammengefasst hatte. Und er führte die neuen Gattungen Poncirus, Fortunella, Eremocitrus, Microcitrus und Clymenia ein. Citrus teilte er in die Unterarten: Zedrate, Pampelmusen, Mandarinen, Orangen, Grapefruits und Zitronen und den (entwicklungsgeschichtlich älteren) Subgenus Papeda. Zu diesen gehören neben der frostharten Ichang Papeda (Citrus ichangensis) die eher tropisch beheimatete Combava (früher Kaffirlimette, bot. Citrus hystrix) und eine Reihe von Kultivaren, die sich nach Genanalysen als Hybride herausgestellt haben. Yuzu (Citrus junos), zum Beispiel. Überhaupt hält diese Einteilung genetischen Untersuchungen nicht Stand, denn sie stellt Zitrus-Arten, wie Zedrat-Zitrone (Citrus medica) und Mandarine (Citrus reticulata), neben Hybride wie Orangen (Citrus × sinensis), Zitronen (Citrus × limon), und Grapefruits (Citrus × paradisi). Die Gattung Citrus besteht bei Swingle aus 16 Spezies (Arten), die dann in verschiedene Varietäten -letztlich Sorten- und Hybride unterteilt werden. Hier zeigt die Nomenklatur Unsicherheiten, mit nationalen und individuellen Unterschieden bei der Anwendung.
Bei botanischen Zitrus-Namen wird man oft dem Zusatz „Hort.“, kurz für hortulanus, begegnen. Der wurde von Tanaka vorgeschlagen, damit Kulturpflanzen, die in Landwirtschafts- oder Gartenkreisen bekannt sind, von Taxonomen untersucht werden können, ob sie geeignet sind, als Art etabliert zu werden. Dieser Vorschlag wurde 1928 auf dem „Internationalen Wiener Gartenbaukongress“ von Chōzaburō Tanaka unterbreitet.
Chōzaburō Tanaka
Der Japaner Chōzaburō Tanaka (1885 – 1976) ist der zweite bedeutende Zitrus-Taxonom. Er zählt unter Kollegen zu den so genannten „Splitters“, weil er dazu neigte, immer engere Kategorien zu erzeugen und damit „Arten“ zu definieren, wo vielfach keine waren. Viele halten Tanakas System, auch wenn Genanalysen diesem oft entgegenstehen, für hilfreich. Als Gärtner würde ich dieser Einschätzung bis zu einem gewissen Grad zustimmen, weil Tanakas Ordnung Klarheit zu schaffen scheint, mit welcher konkreten Pflanze man es zu tun hat. Andererseits ist es schon ungewöhnlich, gärtnerischen Sorten und Hybriden einen taxonomischen Art-Namen zuzuordnen.
Andererseits ist das System wieder nicht so sehr auf einzelne Sorte heruntergebrochen, dass es sichere Auskunft über die konkrete Pflanze geben könnte. Tanaka ist auf 156 Arten gekommen und in Baumschulen wird man noch oft über Tanakas botanische Namen stolpern, um aber die tausenden Citrus-Sorten zu erfassen, muss man deren Herkunft und Entstehung genau bezeichnen und entsprechende Namen vergeben. Sorgfalt ist da gefragt. Zumal viele neue Sorten ja durch spontane Mutationen bekannter Varietäten entstanden sind und immer noch entstehen.
David Mabberley
David Mabberley (*1948) ist ein britischer Botaniker, der 1996 nach Australien übersiedelt ist. Er hat die Taxonomie der Zitrusfrüchte auf ein neues Fundament gestellt und damit heftige Diskussionen unter Anhängern der klassischeren Kategorisierung dieser Pflanzengruppe ausgelöst. „A classification for edible Citrus (Rutaceae)“ aus dem Jahr 1997 und die Aktualisierung aus dem Jahr 2022 sind so etwas wie der Anti-Tanaka. Mabberleys Klassifizierung enthält nur noch drei Arten und vier Hybridgruppen für essbare Zitrusfrüchte und trägt damit der Komplexität des Themas einerseits durchaus Rechnung, setzt den praktischen Wert -so seine Kritiker- einer Citrus-Taxonomie vor allem für Gärtner aber erheblich herab. Mabberleys Arbeit wird von chemotaxonomischen Untersuchungen getragen, die immer noch neue Erkenntnisse liefern für das Verständnis der Verwandtschaftsverhältnisse von Zitruspflanzen.
Seine Taxonomie führt allerdings zum Beispiel dazu, dass im System nicht mehr zwischen Bitterorange und Süßorange unterschieden werden kann, denn sie haben dieselben Eltern und wären beide als Citrus x aurantium anzusprechen. Andererseits ist man auch bei Tanakas Taxonomie auf genaue Sorten- und Herkunftsbezeichnungen angewiesen. Insofern neige ich dazu, Mabberley zu folgen und als Gärtner genau über Sorten und Herkünfte Buch zu führen.